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Ich möchte mit diesem Erfahrungsbericht übrigens keinesfalls zur kollektiven Namensänderung nach Scheidung oder gar zur Scheidung an sich aufrufen. Ganz im Gegenteil: Wenn sich das vermeiden lässt – zum Beispiel aufgrund unerschütterlicher Liebe und Zuneigung – dann empfehle ich, unbedingt verheiratet zu bleiben. Dennoch: Manchmal ist das einfach keine Option mehr. So war es bei mir im letzten Jahr. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ungefähr zehn verschiedene Domains unter meinem Namen registriert, und zwei davon hatten auch den Wortlaut meines damaligen Namens: judithriemer.at und judithriemer.com

Alte Domain, neuer Name?

Nachdem ich in den letzten fünf Jahren recht viel Wirbel um meine Person gemacht habe bzw. es wurde auch gewirbelt um mich herum, ich war da nicht ganz alleine dran beteiligt, waren diese Seiten wohl je nachdem immer auch mal wieder ganz gut besucht. Zwar kein Vergleich zu den Domains meines Blogs und meiner Marke (veganmarathon.com und turtlerunner.at), aber ja, mein Name wurde gegoogelt und die Domain gefunden – was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass ich unter diesem Namen ein Buch veröffentlicht habe.

Die Themen mit denen ich in Verbindung gebracht wurde aufgrund Blog, Social Media, verschiedener Interviews und eben meinem Buch: Laufen, Abnehmen, Laufen veganes Essen und immer wieder Laufen.

Im Sommer 2017 wurde ich dann geschieden. Ich verließ mein Zuhause, zog in eine neue Stadt, machte ein Blogpause. Baute meine Existenz auf. Und irgendwie passte mir mein Name nicht mehr. Als ob ich rausgewachsen wäre. Für mein neues Leben musste ein neuer Name her. Beziehungsweise mein alter Name. Mein ganz alter Name, mit dem ich geboren worden bin. Im Oktober 2017 durfte ich mich offiziell wieder „Judith Schneider“ nennen – die Judith Riemer-Geschichte war beendet. Dachte ich. Und da ich gerne alle Fäden kappe, wenn was zu Ende ist, war es naheliegend, das auch im Internet zu tun. Aber was tun mit Domains, die gesucht werden? Kann man einfach seine Internet-Persönlichkeit umbenennen? Die meisten meiner Freunde & Berater rieten mir davon ab.

„Das kannst du nicht machen, Judith – du bist doch eine Marke im Web!“ „Das verwirrt deine Leser, wenn du jetzt deinen Namen änderst.“ „Mach es doch wie die Stars – die heißen auch oft anders, aber nach außen hin bleiben sie die Alten!“

Ich wollte aber nicht die alte bleiben – weder innen noch außen. So kündigte ich kurzerhand eine der beiden Domains und zwar die judithriemer.at – die judithriemer.com behielt ich in einem Anflug von Vernunft und leitete sie kurzerhand auf meinen Interims-Blog diebloggerin.at um. So fühlte ich mich besser. Bis letzte Woche.

„Hast du jetzt einen Online-Shop für Sportbekleidung?“

lautete die Nachricht, die via Facebook bei mir am letzten Samstag eingelangte. Eine ehemalige Nachbarin hatte mir geschrieben. Kurze Irritation bei mir. Ich gab die Domain ein und landete auf einer Seite, über der in großen Lettern mein Ex-Name prangte.

Outdoor-Klamotten zu dubiosen Preisen. Kein Impressum.

Der Domaininhaber ein Frederick Youngmann (das fand ich über die whois-Abfrage via nic.at raus). Laut meinem Kollegen definitiv ein Fake-Shop, mit dem Ziel Bestellungen zu sammeln, Geld zu kassieren und dann nicht zu liefern. Und das unter meinem Namen. Meinem Ex-Namen. Aber andererseits … wer wusste eigentlich, dass das mein Ex-Name ist? Viele glauben vermutlich immer noch, dass ich so heiße. Schließlich habe ich nicht jedem Leser einzeln die Scheidungs- und Namensänderungspapiere vorgelegt. Jetzt war es an der Zeit, kurz in Panik zu geraten und mich für meine eigene Naivität zu verfluchen. Aber mal ehrlich:

Wer hätte denn an sowas gedacht?

Ich bin kein Celebrity, kein Internet-Star und ich hab auch keine Hunderttausend Follower auf Instagram. Wer bitte tut sich die Mühe an, diese Domain nachdem ich sie freigegeben hatte, zu kaufen und davor noch zu recherchieren, womit man sich quasi ein Deckmäntelchen (Trainingsklamotten) überwerfen könnte, damit es so aussieht, als wäre das mein Shop!?!?

Ich weiß es nicht. Immer noch nicht.

Inzwischen habe ich mit der Rechtsabteilung der Wirtschaftskammer telefoniert, ich habe auf meinen Seiten auf Facebook alles publik gemacht und mit verschiedenen Followern darüber gesprochen – und das Fazit lautet: Ich kann aktuell nichts dagegen tun. Ich müsste, wenn ich gerichtlich dagegen vorgehen will, eine Unterlassungsklage anstreben. Aber gegen wen? Denn selbst, wenn der Name vom jungen Frederich kein Fake wäre (was schwer zu bezweifeln ist), ist der einzige Anhaltspunkt, dass er in Savannah in den USA sitzt. Keine Postadresse – kein Impressum – kein Briefkasten, wo die Unterlassungsklage zugestellt werden könnte. Zudem sei so eine Klage über diese Distanz immer schwierig, so die Auskunft der WKO, wobei ich mich nochmal beim zivilrechtlichen Anwalt rückversichern soll.

Kann mir rechtlich was passieren, wenn einer mit meinem Namen krumme Geschäft im Netz macht?

Hierzu kam die erleichternde Aussage der WKO, dass mir grundsätzlich nichts passieren kann. Denn selbst, wenn dort jemand bestellt und um sein Geld betrogen wird, müsste mir erstmal nachgewiesen werden, dass ich diesen Shop betreibe, was schwierig sein dürfte. Umgekehrt kann ich beweisen, dass ich diesen Shop nicht betreibe. Bin ich also zufrieden? Nein, nicht richtig – denn was bleibt ist der schale Nachgeschmack, dass auch wenn ich absolut nichts dafür kann, falls jemand auf den Shop reinfällt, es immer mit meiner Person in Verbindung gebracht wird.

Fake-Shop auf der Domain:
Was kann ich also tun, wenn ich eigentlich nichts tun kann?

Ich kann meine eigenen Kanäle und Plattformen nutzen, um meine LeserInnen zu informieren und zu sensibilisieren. Ich kann mein Netzwerk aktivieren, dass es die Botschaft verteilt, damit auch hoffentlich der letzte Leser im hintersten Winkel mitbekommt, dass da was faul ist.

Domainklau und Missbrauch deiner Domain: Was kannst du tun, damit dir nicht dasselbe passiert?

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Behalte deine Domains, auch wenn sich dein Namen ändert

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Registriere dir zusätzlich Domains mit z.B. deinem neuen Namen

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Richte eine Weiterleitung der alten Domains auf die neuen ein (sofern du auf den alten Domains keinen superwichtigen Content liegen hast)

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Falls doch: Lass dir von einem Profi helfen, wie du auf der neuen Domain auch die Inhalte der alten Domain erreichbar machst -> Infos dazu bekommst du bei mir. Schreib mir!